Warum Handaufzucht?


Wenn man sich in die unergründlichen Tiefen des Internet begibt und dort nach Anmerkungen über die Handaufzucht bei Papageien sucht, ist das fast wie eine Abenteuerreise. Man findet fundierte, fachliche Meinungen, man findet die Ausführungen von Laien ( teils gut gemeint, aber voll daneben ) und man findet viele Artikel von Menschen, die keine Ahnung haben. Man könnte es auch so umschreiben: Ein ausführlicher Artikel über die Haltung von Gelbbrustaras wird von einem Kanarienzüchter geschrieben, der die großen Vögel nur aus dem Zoo kennt. Aber im Internet ließt es sich wie aus berufenem Munde weil niemand dahinterblicken kann. Seit Jahrtausenden lebt der Mensch ganz Nah mit Tieren zusammen. Anfangs nur zur Lebenserhaltung und Vereinfachung des Lebens, aber ab irgendeinem Zeitpunkt auch um sich an den Wesen zu erfreuen. Auf Reliefs der Nachwelt hinterlassen, wurden handzahme Halsbandsittiche schon am Hofe Alexanders des Großen gehalten. In den indischen Palästen des Mittelalters wurden genauso zahme Papageien gehalten, wie schon zur Zeit der Eroberung Amerikas durch die Konquistadoren von den einheimischen Indios Europa war dabei immer ein weißer Fleck auf der Landkarte, da die klimatischen Verhältnisse die Papageienhaltung kaum zuließen. Auch das Wissen und Interesse über diese farbenprächtigen Vögel kam erst spät zu uns.Die ersten Importe starben wegen falscher Ernährung und Klimaumstellung sehr schnell in unseren Breitengraden. Erst nach vielen Jahren des Studiums der Papageien besserten sich die Haltungsbedingungen und die Tiere überlebten länger. Aber schon um 1900 wurden Papageien per Hand aufgezogen, da nachweislich Aras über 90 Jahre alt wurden. Der Wunsch des Menschen nach den bunten und hochintelligenten Hausgenossen wurde immer stärker und hat sich bis in die heutige Zeit noch gesteigert. Ich glaube sagen zu können das Papageien in Gefangenschaft es noch nie so gut angetroffen haben, wie im Europa unserer Tage. Wir wissen viel mehr über Ernährung und Verhalten unserer Schützlinge, und der gute Halter versucht dies auch umzusetzen und dauernd zu verbessern Aber jetzt zu den Gründen warum es, meiner Meinung nach Handaufzuchten und Naturbruten geben sollte. Von Wildfängen spreche ich nicht, da ich sie ablehne und der Meinung bin, das es immer weniger werden. Der Gesetzgeber sollte die europäischen Grenzen komplett für alle Importe schließen und ein generelles Einfuhrverbot aller Arten erlassen. In Europa wird fast jede Papageienart nachgezüchtet. Für den Züchter und den Papageienliebhaber, der sich nur an der Schönheit der Vögel erfreuen möchte, gibt es nichts Besseres als Tiere aus der Naturbrut ( also von den Eltern bis zum flügge werden aufgezogen, wilde Papageien ) Sollte jedoch das Tier als Teil des familiären Lebens in der Wohnung gehalten werden, so kann es nur eine Handaufzucht sein, wobei man hier natürlich auch auf die Paarhaltung drängen sollte. Ich habe schon oft Naturbruten in engen Käfigen in Wohnungen gesehen. Dauergestreßt durch die Angst vorm Menschen. Ohne Freiflug, da die Menschen nicht wußten wie sie die Tiere wieder in den Käfig bekommen würden. Das ist meines Erachtens wahre Tierquälerei. Mein Kundenkreis besteht zu einem großen Teil aus jungen Familien mit Kindern. Wenn man dann hört, wie die handzahmen Papageien mit den Kindern aufwachsen. Die Kinder ein Gefühl für das Leben mit Tieren bekommen und sich die ganze Familie um die Papageien kümmert kann hier nur ein zahmer Papagei in Frage kommen. Bei allen Aspekten von Verhaltensstörungen, die bei handzahmen Papageien auftreten können, durch ein bißchen Einfühlungsvermögen der Besitzer aber auch oft verhindert werden können, kann ich für das Gros meiner Kunden sagen, das die Vögel auch noch nach vielen Jahren einen festen Platz in der Familie haben und sich offensichtlich wohl fühlen . Hier kommt es aber auch auf eine qualitativ hochwertige Handaufzucht an. Schnellfütterungen mittels Kropfsonden, Zeitdruck der Züchter sind Grundsteine für unausgeglichene, nervöse Handaufzuchten. Die Babys sollten langsam und mit Geduld gefüttert werden. Nach dem Füttern sollten sie noch einige Zeit gestreichelt werden, wobei man unbedingt ununterbrochen mit sanfter Stimme reden sollte. Hier dauert eine Fütterung statt 1 Minute zwar 10 Minuten, aber später wird man diese Vögel als besonders zahm, nicht schreckhaft und zärtlich im Umgang mit dem Menschen erkennen. Um Verhaltensstörungen schon im Vorfeld, also beim Kauf der kleinen Papageien, zu vermeiden, sind hier besonders die verantwortungsbewußten Züchter gefragt. Sich Zeitnehmen für den Käufer. Alle Fragen, auch die Unangenehmen, behandeln und nicht nur Profit machen wollen. Auch sollten Arten, die dazu neigen aggressiv ( verschiedene Kakaduarten )zu werden oder psychisch sehr labil sind ( Graupapageien ), einfach aus dem Angebot genommen werden. Hier müssen die Züchter auch einmal nein sagen können. Zum Abschluß würde ich sagen, das handzahme Papageien, deren Besitzer sich intensiv mit ihren Tiere beschäftigen, sich auch weiterbilden um gesunde Ernährung und Haltungsbedingungen zu schaffen, ein Gewinn für alle sind.

Norbert Wolfgarten  


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