Warum handzahme Papageien?

Die Diskussion über das Für und Wider handzahmer Papageien ist sehr gespalten. Ich habe mich mit dieser Problemstellung natürlich auch umfassend beschäftigt.

Grundsätzlich sind Papageien dem Menschen gegenüber, wie fast alle Wildtiere,  sehr scheu und distanziert. Sie werden beim Annäherungsversuch flüchten und sich dem engen Kontakt so entziehen. Erst wenn sie so in die Enge getrieben werden, das sie keine Fluchtmöglichkeit mehr haben, werden sie von  ihrer einzigen Waffe, dem Schnabel, zur Verteidigung Gebrauch machen werden.

Da sie aber auch durch Ihre Charaktereigenschaften Neugier und „Intelligenz“  getrieben werden, kann es sein, das wilde Papageien sich bei Passivverhalten des Menschen bis auf einen Sicherheitsabstand (Fluchtdistanz) nähern. Was wilde Papageien niemals tun werden, ist direkten körperlichen Kontakt zum Menschen aufnehmen.

Durch ihr Verhalten (Verspieltheit, Lautäußerungen, Neugier) war diese Tiergruppe schon immer sehr interessant für den Menschen. Schon am Hofe Alexander des Großen vor fast 2500 Jahren gab es handzahme Papageien. Die Halsbandsittiche werden darum auch Alexandersittiche genannt.  Von Archäologen gefundene Reliefs zeigen Menschen dieser Zeit mit zahmen Alexandersittichen auf der Hand.

Die ersten Papageien kamen zur Zeit der Enddeckung Amerikas nach Europa und wurden ab dieser Zeit über die Jahrhunderte immer wieder eingeführt. Leider hatten die Menschen damals kaum Ahnung von Ernährung und Haltungsweisen dieser gefiederten Tiere, so das viele der bedauernswerten Importe nicht sehr alt wurden.

Erst zur Wende 18. und 19. Jarhunderts begann eine nennenswerte Zucht in Europa, die fast ausschließlich vom Adel und vermögenden Bürgern betrieben wurde.
Man kann also sehen, dass Papageien, auch handzahme, kulturhistorisch (fast vergleichbar mit der Domestizierung des Hundes) vom Menschen gehalten wurden und eine lange Tradition haben.

Aber um wieder auf das Thema zu kommen:

Wenn man einen nicht zahmen Papagei (Naturbrut) in seine Wohnung aufnimmt tut man dem Tier keinen Gefallen.

Das Tier wird in einen Käfig gesetzt und bei jeder Bewegung des Menschen in seine Richtung ängstlich, ja panisch flatternd, reagieren, da es natürlich bedingt nichts mit dem Menschen anfangen kann. Das ist Stress pur für den Vogel.  Und mehr oder weniger lebenslang Stress pur.

Auch der Mensch kann sich nicht wirklich an dem Hausgenossen erfreuen, da er keine Chance hat dem gefiederten Mitbewohner diese Scheu und Angst zu nehmen.
Ein wilder Papagei als Hausgenosse und Familienmitglied kann meiner Meinung nach nur heißen: handzahm!!!

Arteninfo